
Schnell machte am heutigen Sonntag die traurige Nachricht die Runde: Ringerlegende Adolf Seger ist im Alter von 81 Jahren in der Nacht verstorben. Er durfte friedlich einschlafen, berichtete seine Familie.
Adolf Seger wurde am 2. Januar 1945 in Freiburg geboren und stammte aus einer ringkampf- begeisterten Familie. Sein Vater und seine fünf Brüder waren alle als Ringer aktiv. Seinen ersten Ringkampfunterricht erhielt der fünfjährige Adolf von seinem Vater. Sportliches Vorbild war ihm sein älterer Bruder Edmund (1937–2019), der für die deutsche Ringer-Nationalmannschaft bei den Olympischen Sommerspielen 1960 in Rom kämpfte.
Mehr als 50 Jahre stand Adolf auf der Ringermatte. Kaum ein anderer hat so viele internationale Ringerstars auf die Schultern gelegt wie er. Adolf besaß einen eisernen Willen. Er wollte Leistung zeigen, erfolgreich sein und auf der internationalen Bühne glänzen. Bereits mit acht Jahren schwor er sich, niemals zu rauchen und keinen Tropfen Alkohol zu trinken. Mit dieser Disziplin baute er sich eine außergewöhnliche Karriere auf, die sein Leben ungemein bereicherte und ihn mit vielen interessanten Menschen zusammenbrachte – unter anderem mit der jordanischen Königin Nur, mit der er einmal Tee trinken durfte. „Was ich alles erleben durfte, war Grund genug für die Anstrengung“, sagte Adolf nicht ohne Stolz. Und weiter: „Mein Ziel war es immer, erfolgreich und ein Vorbild zu sein.“
Neben zahlreichen deutschen Meistertiteln sowie Europa- und Weltmeistertiteln, die er über Jahrzehnte nahezu im Abonnement sammelte, zählten die beiden Bronzemedaillen bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München und 1976 in Montreal zu den größten Höhepunkten seiner Laufbahn. Sein größter sportlicher Schmerz war jedoch der Olympiaboykott des Westens im Jahr 1980. So hart hatte er trainiert – und die Politik verhinderte die Chance auf das erhoffte olympische Gold.
Nicht immer schien die Sonne über Adolfs Sportlerkarriere. Bittere Niederlagen, die verwehrte Goldmedaille und Verletzungen warfen ihn immer wieder zurück. Doch sein Lieblingszitat lautete: „Hinfallen können viele, aufstehen nur wenige.“ Genau das lebte Adolf Seger immer wieder vor. Diese Haltung machte ihn zu einem absoluten Vorbild – nicht nur in der Ringerwelt, sondern auch weit darüber hinaus.
Während seiner langen Karriere blieb Adolf sich stets treu und war immer der faire Sportsmann, der er von Beginn an gewesen war. Ende der 1970er Jahre erhielt er ein lukratives Angebot aus der amerikanischen Wrestling-Szene. Umgerechnet 200.000 D-Mark jährlich sowie zusätzliche Werbeeinnahmen hätte er verdienen können – kein schlechtes Geld für einen Briefträger. Doch Adolf Seger wollte sich nicht zum Hampelmann machen und lehnte mit den Worten ab: „Dann wäre ich ja nicht mehr ich gewesen.“ Auch für einen Film mit Bud Spencer wurde er angefragt. Doch auch dieses Angebot schlug er aus und antwortete: „Geht nicht, ich muss für die Olympischen Spiele trainieren.“
42 Jahre lang war Adolf als Briefträger bei der Deutschen Post AG in Freiburg-Zähringen tätig. Er war bei Kolleginnen und Kollegen sowie in seinem Zustellbezirk gleichermaßen beliebt und gerne gesehen. Seit Januar 2010 befand er sich im Ruhestand.
Auch nach seiner aktiven Karriere blieb Adolf dem Sport treu. In den 1990er- und 2000er-Jahren wurde er zehnfacher Freistil-Weltmeister bei den Veteranen. Das hierfür erzielte Preisgeld spendete er vollständig der Kinderkrebshilfe, für die er sich, solange es ihm möglich war, mit großem Engagement einsetzte.
Darüber hinaus engagierte sich Adolf in seiner Freizeit für die Kommunalpolitik, wohltätige Zwecke, die Krebshilfe und die Sportförderung. Bis über seinen 75. Geburtstag hinaus war er sportlich fit und aktiv – beim Tischtennis, im Radsport und beim Krafttraining.
Adolf hatte das besondere Talent, Menschen zum Lachen zu bringen und insbesondere Schwächeren Halt zu geben. So trainierte er unter anderem auch mit Menschen, die Alkoholprobleme oder psychische Herausforderungen hatten.
Neben der Ringermatte war das Freiburger Strandbad einer seiner Lieblingsorte. Dort spielte er leidenschaftlich Tischtennis – mit Freunden, Bekannten, aber ebenso mit völlig fremden Menschen. Er war offen, herzlich und hatte das Herz am rechten Fleck.
2022 wurde er sehr verdient in die Hall of Fame des Deutschen Ringerbundes aufgenommen.
Im Film „Fitness California“, der 2023 erstmals in deutschen Kinos und auf Filmfestivals gezeigt wurde und überwiegend in seinem Lieblings-Fitnessstudio entstand, gewährte Adolf gemeinsam mit seinen besten Freunden Bernd Fleig und Mario Sabattini viele persönliche Einblicke in die lange Ringerkarriere.
Die drei erzählen dabei auch von ihrer tiefen Freundschaft. Der wohl emotionalste Moment des Films ist der Rückblick auf den Olympiaboykott 1980. Als Zuschauer spürte man förmlich seine Trauer, seine Wut und das nicht verheilte Trauma.
Uns bleibt nur, uns vor einer ganz besonderen, außergewöhnlichen Ringer-Legende und einem Freund zu verneigen und den Hut vor seiner Karriere und seinem beeindruckenden Leben zu ziehen.
„Als der Albatros bemerkte, dass ich des Kämpfens müde war, trug er mich mit sanften Schwingen weit über die sieben Weltmeere. Behutsam setzte er mich an den Rand des Lichts. Ich trat hinein und fühlte mich geborgen, denn ich begegnete so vielen, die mir vorausgegangen sind.“
Der Südbadische Ringerverband wird Dich nie vergessen, lieber Adolf. Wir danken Dir für alles.
Ruhe in Frieden ⚘️


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